"Now, here, you see, it takes all the running you can do, to keep in the same place. If you want to get somewhere else, you must run at least twice as fast as that!"

Kategorie: KI

Aus dem Maschinenraum

Noch greift, wie wir sozialisiert wurden: Je perfekter das Ergebnis, umso glaubwürdiger die Quelle. Dass sich mittlerweile auch bei den Verfechtern der reinen Lehre Rechtschreibfehler einschleichen, ist, mit etwas Wohlwollen, auf Zeitdruck und Sparmaßnahmen zurückzuführen. Die goldenen Zeiten sind bei den Kollegen in Hamburg, Frankfurt und München genauso vorbei wie das Thema Redaktionsschluss.

Es könnte nun aber bald so sein, dass wir den Einsatz Künstlicher Intelligenz genau daran erkennen, dass wir ihn nicht mehr erkennen. Noch ist es relativ einfach: erhöht ein Newsletter auf einmal deutlich seine Schlagzahl, tauchen dort Emojis auf, von denen bisher nichts zu sehen war oder fehlt womöglich gar der eine Rechtschreibfehler, der sonst zuverlässig für Verdruss gesorgt hat, dann könnten durchaus übermenschliche Zauberkräfte am Werk sein.

Vieles passiert, ohne dass es groß jemandem auffällt: konnten Sie bis vor kurzem noch unter den Antworten einer Suchanfrage im Internet die Quelle auswählen, die Ihnen am vertrauenswürdigsten erschien, steht nun in vielen Fällen eine KI-generierte Auskunft ganz obenan. Den meisten Menschen, Schätzungen gehen von etwa vier Fünfteln aller Anfragen, reicht das vollkommen aus.

Doof für Menschen wie uns, die auf Sichtbarkeit angewiesen sind. Doof auch, weil die KI im Zweifelsfall zur Beantwortung spezifischer Fragen auch auf spezifische Informationen zurückgreift, wie sie bspw. bei uns zu finden sind – ein gerade in österlichen Zeiten eher unchristliches Nehmen, ohne auch zu geben.

Doof auch für Sie, da im Zweifelsfall dann niemand den Kopf dafür hinhält, wenn die Maschine wieder etwas zu doll am Halluzinieren war. Etwa die Hälfte aller Artikel im Netz sollen heutzutage Schätzungen zufolge bereits zumindest in Teilen KI-generiert sein, zukünftig – und für diese Einschätzung muss man nun wahrlich kein Experte sein – werden wahrscheinlich noch deutlich mehr bis nahezu alle Internetinhalte KI-generiert sein.

Nur schlecht muss das ja auch gar nicht sein, schließlich kann KI unter Berücksichtigung ihrer Beschränkungen und Nutzung ihrer Möglichkeiten sehr gute Ergebnisse liefern. Und ja, während auf den Buchdruck Radio, Fernsehen und zuletzt das Internet folgten, blieben die Funktionsmechanismen im Maschinenraum hinter der Nutzeroberfläche weitgehend gleich, Medien ergänzten sich, statt einander abzulösen.

Und noch eines ist über all die Jahrhunderte gleichgeblieben. Gerade in Zeiten, in denen die Nachrichtenlage es eigentlich ratsam erscheinen lässt, den Kopf unter die Bettdecke zu stecken, sollten wir genau das tun, was die KI nicht ersetzen kann: uns persönlich begegnen, uns austauschen und diskutieren – und wenn dabei noch das eine und andere Schokoladenei abfällt, umso besser!

Tim Jacobsen

Leider keine Bring-, sondern eine Holschuld

Hätten Sie gewusst, wann der erste Mähroboter auf den Markt kam? Im schwedischen Motala dreht der weltweit dienstälteste Solar Mower seit dreißig Jahren zuverlässig seine Runden. Ein Zeitungsartikel hatte seinerzeit Ingemar Carlssons Interesse geweckt, der zufällige Kontakt mit einem Husqvarna Händler bei einer Weihnachtsfeier ihm das Erstlings-Exemplar beschert. Ein wasserdichter Business Case, ein wahrer Meilenstein und doch nur ein Zwischenschritt hin zu dem, was Ihnen präsentiert wird, wenn Sie im Internet nach Humanoiden Robotern suchen. Es dauert nicht mehr lang und die Maschinenwesen können selbständig den guten alten Spindelmäher reaktivieren und die Mähroboter in den Ruhestand schicken.

Weiter in Sachen Künstlicher Intelligenz: Wofür steht eigentlich die Top-Level-Domain .ai? Artificial Intelligence liegt zwar auf der Hand, in Wahrheit ist diese Endung, mit der im Internet viele Webseiten gekennzeichnet werden, die irgendwas mit KI machen, das Länderkürzel des britischen Überseegebiets Anguilla, das ganz nebenbei mit den Lizenzeinnahmen seinen Staatshaushalt querfinanziert. Und wie lange es wohl gedauert hat, bis ChatGPT die für-alles-im-Internet so wichtige Schallmauer von einer Million Nutzer durchbrach?

Zwei kleine Hinweise: bei Netflix dauerte das dreieinhalb Jahre, bei Instagram dann nur noch zweieinhalb Monate und bei ChatGPT im November 2022 nicht einmal mehr fünf Tage. Das wirklich Erstaunliche daran ist, dass ausgewiesene Experten kurz zuvor noch auf eher fünfzig Jahre getippt hatten. Zweifelsohne ein kolossaler Durchbruch, der natürlich aber nicht ohne entsprechende Rechenleistung möglich wäre. Und da wird dann schnell ein Energie- und Ökologiefragstück daraus. Ähnlich wie Pflanzen gegossen werden müssen, verbraucht ein Durchschnittsgespräch mit einem der Large Language Models einen halben Liter Wasser. Und das Training so einer KI verbraucht so viel Energie wie ein durchschnittlicher US-Haushalt samt ortsüblicher monumentaler Kühlschränke in 41 Jahren.

Und während der britische Fernsehsender Channel 4 am 20. Oktober 2025 eine Doku mit dem Titel „Wird künstliche Intelligenz meinen Job übernehmen?“ sendete, an deren Ende die Moderatorin „Ich existiere nicht, die künstliche Intelligenz hat mein Bild und meine Stimme erschaffen“ enthüllte und damit für Puls bei so manchem Zuschauer sorgte, hatte in einer japanischen Kleinstadt bereits 2018 ein Chatbot für den Bürgermeisterposten kandidiert.

„Künstliche Intelligenz ist für uns alle Neuland.“ Das muss nicht so bleiben

Ab dem 9. November wird in den Hannoveraner Messehallen zu sehen sein, wie sich KI und Landtechnik gegenseitig befruchten. Menschen fehlen, Automatisierung, Robotik und KI müssen zwangsläufig übernehmen, wollen wir auch weiterhin säen und ernten. Dass das alles aber leider nicht ohne mögliche Komplikationen für uns einhergeht zeigt bspw. der Automation Bias. Und der schlägt zu, wenn Menschen der Maschine mehr als dem gesunden Menschenverstand glauben und dann auf dem Forstweg statt an Oma Hildegards Kaffeetafel landen. Oder der absolute MonsterGAU, Opfer einer Ransomwareattacke zu werden. Auf dem Zwiebelforum 2026 werden wir live und in Farbe einen Hackingangriff vorgeführt bekommen, im Preis inbegriffen sind Tipps und Tricks, wie sich so etwas verhindern lässt. Dass KIs zuweilen menschliche Eigenschaften angedichtet werden, zeigt, dass sich hinter „schwachen KIs“ Algorithmen verbergen, die nur eine begrenzte Anzahl von Aufgaben lösen können. Und es ist tatsächlich so, dass – fast wie im echten Leben – Zuckerbrot und Peitsche im Prompt ChatGPT dazu ermutigen, die Quellensuche etwas gründlicher zu betreiben.

Was steht als nächstes an? Generation Alpha, die nach 2010 Geborenen, wird übernehmen, physisches, digitales und virtuelles Leben zunehmend verschmelzen. Alles, was heute digital ist, wird KI-fähig werden. Und alles, was KI-fähig ist, wird mithilfe natürlicher Sprachkonversation kommunizieren können. Während Sie morgens auf Ihren Kaffee warten, setzen Sie Ihre Smart Glasses auf und fragen Ihren KI-Assistenten: „Was habe ich verpasst?“ Der KI-Agent wird liefern. Und dann haben wir es noch gar nicht über Quantencomputer gehabt, die statt Einsen und Nullen Protonen, Neutronen und Elektronen verarbeiten können und für die bspw. dann unsere heutigen Verschlüsselungsverfahren gewissermaßen mit dem Zahnstocher zu knacken sein werden. Noch nie war es so leicht, mit einmal kurz den Kopf in den Sand zu stecken, den Anschluss zu verlieren. Es bleibt spannend.