All diejenigen, die Emeritus David Hughes bei der Australian Seafood Convention in Perth verpasst haben, ihn weder bei der letztjährigen Onion & Carrot Conference im englischen Peterborough noch beim World Pork Congress im benachbarten Birmingham erleben konnten und zudem auch beim Frische Forum Anfang Februar in Berlin gefehlt haben, bekommen Anfang September mit dem International Strawberry Congress im belgischen Hoogstraten eine neue Chance. Eine Chance darauf, nach Ende der Veranstaltung mit neuem Selbstbewusstsein in den Alltag zurück zu kehren.
Denn David Hughes ist so etwas wie der Dr. Feelgood des Agrar- und Ernährungssektors. Ihm gelingt es nicht nur, dank seines trockenen Humors auch äußerst ernste Themen nie aussichtslos erscheinen zu lassen, er hat immer Botschaften im Gepäck, die im wahrsten Sinne des Wortes erleuchtend wirken. Dabei ist es einigermaßen erstaunlich, dass er mit rund 90 Vorträgen im Jahr eine thematische Bandbreite abdecken kann, aus der die eingangs genannten Veranstaltungen nur einen kleinen Ausschnitt darstellen.
Erleichtert wird Hughes´ Arbeit dadurch, dass die äußeren Rahmenbedingungen in gewisser Weise für alle gleich sind. Angesichts des Auf und Abs der weltweiten Agrarmärkten macht es aus der Vogelperspektive heraus ja kaum einen Unterschied, ob es um Erdbeeren, Schweinefleisch, Meeresfrüchte oder Zwiebeln geht. So ist es beispielsweise gerade einmal zwei Jahre her, dass Menschen in Dritte-Welt-Ländern bei Protesten gegen plötzlich stark gestiegene Nahrungsmittelpreise zu Tode kamen, Vietnam den Export von Reis verbot und Argentinien den von Rindfleisch. Auch der so genannte Westen blieb seinerzeit von dieser Entwicklung nicht verschont. Mit dem Fallen des Getreidepreises löste dann allerdings auch bei uns die ausufernde Staatsverschuldung wieder den Preisanstieg bei Lebensmitteln als größte Inflationsgefahr ab.
„Vier Dollar für einen Kaffee zu bezahlen ist bescheuert“
MC DonalDs Antwort auf Starbucks
Alles, was Hughes also tun muss, ist, das jeweilige Produkt in makroökonomische Zusammenhänge einzuordnen. Mit Sätzen wie „Sie sind gesegnet, da Sie [hier bitte nun ein beliebiges Produkt einsetzen] produzieren“, verdeutlicht er seinen Zuhörern die jeweiligen produktspezifischen Vorteile. Mit Praxisbeispielen regt er darüber hinaus zum Nachdenken an. So wird die polarisierende Werbebotschaft eines Steakhouses im US-amerikanischen South Carolina mit Sicherheit nicht jedermann gleichermaßen überzeugen können: „Es gibt genug Platz für alle Geschöpfe Gottes – direkt neben dem Kartoffelpüree“.
Hughes will aber nicht nur helfen, zu verhindern, im Eifer des Gefechtes über das Ziel hinaus zu schießen, er nutzt besonders gelungene Werbebeispiele auch dafür, zu zeigen, wie es richtig geht. So traf Ende des Jahres 2008 die McDonald´s-Kampagne „Vier Dollar für einen Kaffee zu bezahlen ist bescheuert“ genau den Geist dieser Zeit und spielte perfekt ein auf sich verändernde ökonomische Voraussetzungen. Diese machten Premiumkonzepten von Kaffeehausbetreibern wie Starbucks zunehmend das Leben schwer. Der Slogan wurde dann auch medienwirksam direkt in Sichtweite des Starbucks-Hauptquartier im US-amerikanischen Seattle plakatiert.
Ähnlich wie in Fabeln stecken in Hughes´ Anekdoten tiefschürfende Weisheiten. So ist beispielsweise McDonalds unter den Systemgastronomen derzeit die große Ausnahme, weil die weltweit umsatzstärkste Fastfood-Kette ihren Marktanteil unter den gegenwärtigen schwierigen ökonomischen Bedingungen sogar noch deutlich auszubauen vermag. Dies, und das ist die eigentliche Botschaft Hughes´, gelingt aber nur, da keine andere Schnellrestaurantkette ihr Ohr näher an den Bedürfnissen und Wünschen ihrer Kunden hat.
Dies alleine sichert das unternehmerische Überleben aber noch keineswegs, wie Hughes anhand anderer Beispiele erfolgreicher Unternehmen zeigt. Zwar klingt es wie die tausendste Wiederholung, die Tatsache aber, dass Hughes bereits seit Jahren diese Schlagwörter predigt und es trotzdem immer noch auf 90 Vorträge im Jahr bringt, beweist geradezu, dass die Umsetzung dieser Ratschläge von der Theorie in die Praxis gar nicht so einfach ist: Niemals die Produktionskosten aus den Augen verlieren, ständig versuchen, die Effizienz zu steigern, eine Unternehmenskultur leben, in der Kreativität und Innovation Platz haben und dabei den Begriff Innovation nicht auf Produktinnovationen allein beschränken.
So schwierig die Umsetzung dieser Ratschläge in die Praxis auch sein mag, so banal ist letztendlich ihre Aussage. David Hughes würde wahrscheinlich auch nicht von sich behaupten, als einziger im Besitz des Steins der Weisen zu sein. Vielleicht liegt es ja daran, dass der sprichwörtliche Prophet im eigenen Land nichts gilt. Vielleicht scheitert die Umsetzung aber auch daran, dass in den oftmals mit viel Herzblut von Gartenbauverbänden, Absatzorganisationen, Forschungsanstalten und Hochschulen organisierten Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zwar genau diese Themen problematisiert werden, aber nur selten die gärtnerische Praxis erreicht wird.
Tim Jacobsen
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