Unmittelbarer Auslöser des Sechstagekriegs vor ziemlich genau 59 Jahren war die Sperrung der Straße von Tiran. Eine mittelbare Folge davon war dann wiederum sechs Jahre später der Jom-Kippur-Krieg, den Nassers Nachfolger Saddat nicht zuletzt auch dazu nutzte, innenpolitische Widerstände zu überspielen. Ein Schelm, wer nun an Donald Trump und die Epstein Files denkt.
Die israelische Armee verlor im Herbst 1973 auf den Golanhöhen und der Sinai-Halbinsel den Nimbus ihrer Unbesiegbarkeit, die breite Öffentlichkeit hierzulande merkte von der zwischenzeitlichen Alarmierung der Atomstreitkräfte und der Entsendung von US-Truppen an die deutsch-deutsche Grenze deutlich weniger als von den Auswirkungen des Ölembargos, das zur offiziell ersten Ölpreiskrise hierzulande führte – inklusive zeitweiligem Tempolimit und dreimaligem Sonntagsfahrverbot.
Im Frühjahr 2026 sind es wieder eine Meeresenge und kriegerische Auseinandersetzungen, die die Welt, wie wir sie zu kennen glauben, aus den Angeln heben. Ende März sind nur wenige Dinge klar erkennbar: bei sechs Tagen Krieg ist es nicht geblieben und die Auswirkungen auf die Wirtschaft im Großen wie im Kleinen sind einmal mehr enorm.
Der Energiehunger von Industriegiganten wie Taiwan, Japan und Korea bleibt weitgehend ungestillt, verpflichtende Viertagewochen sind in diesen mit Sicherheit nicht Lifestyle-Teilzeit-verdächtigen Ländern im Gespräch.
China, das ebenfalls stark von Energieimporten aus der Golfregion abhängig ist, hatte den Aufzug der US-Flotte etwas ernster genommen und anders als viele andere seine Vorräte in den Tagen vor den ersten Luftschlägen gegen den Iran noch einmal tüchtig aufgestockt.
Die eigentlich Weltwirtschaftswachstums-treibenden Schwellenländer schwächeln, die Spritpreise erreichen Rekordhöhen in Nähe der von den Grünen vor knapp dreißig Jahren geforderten fünf Mark pro Liter Benzin und der Markt für Stickstoffdünger ist und bleibt bis auf weiteres leergefegt.
Erst einmal ist nichts erkennbar, das die gegenwärtige Abwärtsspirale stoppen könnte – und über allem droht das Schreckgespenst Inflation womöglich nicht gekannten Ausmaßes.
Aber auch wenn die weiteren Aussichten derzeit insgesamt also eher äußerst bescheiden sein mögen, kann es in Anlehnung an Niebuhr helfen, die Dinge zu unterscheiden in solche, die man selbst ändern kann, und andere, die man selbst nicht ändern kann.
Die gegenwärtigen kriegerischen Auseinandersetzungen, die einander fast schon regelmäßig jeweils in den Schatten stellen, gehören wohl klar zu letzteren. Für die einen braucht es dem Theologen zufolge Mut, für die anderen Gelassenheit und zur Unterscheidung der beiden Kategorien Weisheit.
Etwas weniger Gebetsmühlen-artig dann die Ergebnisse einer Umfrage unter Freunden anlässlich des runden Geburtstages meiner Frau.
Befragt danach, was sie zuversichtlich in die Zukunft blicken und ihren Alltag lebenswert erscheinen lässt, landen „Familie“ und „Freunde“ an erster Stelle, „gute Gespräche“ kommen gleichauf mit „Lachen der Kinder“. Die Nahost-Krise möchte keiner der Befragten im Alleingang lösen, für die Lösung schlichtweg aller Probleme ließ sich auch niemand finden.
Wenn es uns nun gelänge, ein kleines Stück der durchgängig geäußerten Empathie in den Alltag zu retten, wäre allen viel geholfen.
Tim Jacobsen
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