Nachrichten zur Wettbewerbslage

"Now, here, you see, it takes all the running you can do, to keep in the same place. If you want to get somewhere else, you must run at least twice as fast as that!"

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Klimakiller KI

Heutzutage verbrauchen unsere Googlesuchanfragen und all das andere, was die Rechenzentren weltweit so beschäftigt, etwa vier bis fünf Prozent des überhaupt vorhandenen Stroms. Zählt man den Verbrauch der mobilen Geräte hinzu, könnte es knapp doppelt so viel sein. Und kommt KI erst einmal so richtig in Gang, könnte es ein rund ein Drittel des weltweit vorhandenen Stroms werden. Zur Veranschaulichung: Google bearbeitet zurzeit etwa neun Milliarden Anfragen pro Tag, was bei Nutzung von KI in etwa dem Stromverbrauch Irlands entspricht. Eine Anfang November von McKinsey vorgestellte Erhebung kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Strombedarf für KI und Digitalisierung in Europa bis 2030 in etwa verdreifachen wird, auch an den Umweltbilanzen der Techkonzerne lässt sich ablesen, dass der Stromverbrauch aus fossilen Energiequellen deutlich steigt. Scotty, übernehmen Sie!

Tim Jacobsen

Daisy in Plauderlaune

Daisy hat alle Zeit der Welt. Wer die alte Dame in der Leitung hat, dem klingeln die Ohren – und das ist auch gut so. Denn Daisy spricht mit Betrügern, die irgendwo in Callcentern sitzen und Menschen übers Telefon dazu bewegen wollen, Daten preiszugeben oder Geld zu überweisen.

Und obwohl die Tricks der „Scammer“ weithin bekannt sind, verfangen sie noch immer – und das nicht nur bei Älteren. Wessen Herz würde nicht zumindest ein kleines bisschen schwach, wenn ein naher Angehöriger in Not ist und jemand dringend Hilfe benötigt, auch wenn der Verstand klar eine andere Sprache spricht. Für solche Fälle ist seit Mitte November 2024 zumindest für O2 Telefonkunden in Großbritannien Daisy da.

Es nicht die berühmte 32168 sondern die 7726 und damit nichts anderes als die Buchstaben Spam (die Älteren erinnern sich), die gewählt werden müssen, und schon übernimmt Daisy die Sache. Bei ihr sind die Scammer bestens aufgehoben, denn Daisy ist eine KI. Sie ist mit ihrer freundlichen Großmutterstimme darauf programmiert, Anrufbetrügern das Geschäft zu vermiesen:

Wenigstens solange sie Daisy in der Leitung haben, können die Schurken keine echten Menschen anrufen und übers Ohr hauen. Ausgedacht hat sich diese menschenfreundliche Künstliche Intelligenz die Telefongesellschaft O2, mit der Programmierung hat sie den versierten „Scambaiter“ Jim Browning betraut.

Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich ein IT-Crack aus Nordirland, dessen Aufklärungsvideos bei Youtube sehr empfehlenswert sind. Er schlägt Onlinebetrüger mit ihren eigenen Mitteln, hackt sich in ihre Netzwerke und zeigt, wie sie ihr verbrecherisches Geschäft betreiben.

„Hallo, ihr Scammer, ich bin euer größter Albtraum“, begrüßt Daisy fröhlich ihr Zielpublikum in dem Werbevideo, mit dem O2 die Oma-KI vorstellte. In dem Video ist zu sehen, wie beleidigt die Betrüger sind, wenn sie merken, dass sie die Betrogenen sind. „Ihre Aufgabe ist es wohl, Leute zu belästigen“, entrüstet sich ein Scammer. „Das dauert schon fast eine Stunde“, ruft eine Betrügerin angesäuert in den Hörer.

„Mein Gott“, antwortet Daisy ungerührt, „wie die Zeit verfliegt“. Ob sie wohl auch die Oberhand behielte, wenn am anderen Ende der Verbindung ebenfalls eine KI sitzt? „Seien wir ehrlich“, sagt Daisy, „ich habe alle Zeit der Welt.“ Auf Reddit wurde schon extrapoliert: „Bis 2030 werden 90 % der Telefonanrufe von KI-Scambots ausgehen, die mit KI-Großmüttern sprechen.“

Daisy kombiniert verschiedene KI-Modelle, die zusammenarbeiten, um dem Anrufer zunächst zuzuhören und seine Stimme in Text umzuwandeln. Anschließend generiert es über ein benutzerdefiniertes einschichtiges großes Sprachmodell Antworten, die der „Persönlichkeit“ des Charakters entsprechen.

Diese werden dann über ein benutzerdefiniertes Text-to-Speech-Modell zurückgekoppelt, um eine natürliche Sprachantwort zu generieren. Dies geschieht in Echtzeit, sodass das Tool ein menschenähnliches Gespräch mit einem Anrufer führen kann. In der Rolle einer einsamen und scheinbar etwas verwirrten älteren Dame täuscht sie den Betrügern vor, sie hätten ein perfektes Ziel gefunden, während sie sie in Wirklichkeit mit ihren eigenen Waffen schlägt.

Tim Jacobsen

Kontrolle und Regulierung von KI

Zwar hat sich Bonn im Großen und Ganzen prächtig entwickelt, seit die Hauptstadtwürden dem logischeren Kandidaten Berlin zugetragen wurden, dennoch stolpert man immer wieder über die kleinen Nickligkeiten, an denen sich feststellen lässt, dass früher mehr Lametta war. Da ist dann auf einmal der Bonner Hauptbahnhof weitgehend abgeschnitten vom überregionalen Reiseverkehr oder zieht es die jungen Karrieristen doch eher in die Berliner Amtssitze der auf ehemalige und aktuelle Hauptstadt verteilten Amtssitze unserer Bundesministerien.

Auch die Bonner Dependance des lange unter Renovierungsarbeiten leidenden Deutschen Museums in München musste sich ein bisschen Recken und Strecken, bevor Finanzierung und thematische Ausrichtung standen. Auch wenn Künstliche Intelligenz vielleicht nicht unbedingt das erste ist, was einem unter dem Stichwort museale Anschaubarkeit einfällt, fiel die Wahl genau auf dieses Themengebiet, das trotz aller Abstraktheit heute bereits große Auswirkungen auf unseren Alltag hat und immer Lebens-bestimmender werden wird. Ob tatsächlich, wie, was und warum versucht die Veranstaltungsreihe „KI erklärt“ einzuordnen.

Mitte November erläuterte Was Rahman, Coventry University, die Grundlagen hinter KI-Technologien. Prof. Dr. Olivia J. Erdélyi, University of Canterbury, beleuchtete, wie KI-Regulierung aussehen könnte. KI enmystifziert sich schnell selbst, wenn man gewissermaßen einmal hinter die Kulissen kuckt, oder wie Rahman es mit dem Arthur C. Clark Zitat zum Ausdruck brachte: „Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden.“ Und dann hat viel der Faszination über oder auch der Angst davor damit zu tun, dass wir nicht verstehen, wie das Ganze funktioniert. Genauso wie es den Menschen ergangen sein mag, die zum ersten Mal elektrisches Licht sahen.

Und genauso wie Ameisen und Brieftauben weniger intelligent als wir Menschen scheinen, aber erstgenannte in kürzester Zeit gemeinsam hochkomplexe Bauwerke errichten und zweitgenannte über hunderte von Kilometern wieder zurück in den heimischen Schlag finden können, ist das mit der Definition von Intelligenz so eine Sache: Wie smart ist ein Kühlschrank, der einen auf Ablaufdaten hinweist und womöglich selbst Dinge nachbestellt? Wie klug sind Alexa, Siri und Techniken zur Gesichtserkennung? Solange die Technologien nur faszinieren, ist das Rahman zufolge noch kein Beweis für Intelligenz.

Und faszinierend können die mit KI erzeugten Ergebnisse ja sein, auch wenn sie letztendlich nur Regeln, Logik und Wahrscheinlichkeiten widerspiegeln. Die Wahrscheinlichkeiten wiederum werden mit Hilfe sog. historischer Daten errechnet, mit denen die KI trainiert wird: welche Entscheidungen waren erfolgreich, welche waren weniger erfolgreich. Das allzu menschliche „warum“ spielt in dem Zusammenhang dann keine Rolle, Korrelation schlägt Kausalität. Und dann stellt sich die Frage nach „gut“ oder „schlecht“ eher weniger, da es letztendlich auf ein „anders“ hinausläuft. Der Gütegrad dieser „anderen“ Art der Entscheidungsfindung mit Hilfe von KI ist hauptsächlich abhängig von der Qualität der für das Training verwendeten Daten.

Rahman schilderte das Beispiel eines medizinischen Diagnostiktools, das dem Arzt in Fleisch und Blut weit überlegen ist. Oder die Möglichkeit des Einsatzes von KI zum Aufspüren dubioser Finanztransaktionen, was ohne KI oder hinreichenden Anfangsverdachts so gut wie unmöglich war. Er wusste aber auch von einem im Personalwesen verwendeten Entscheidungshilfetools zu berichten, das mit Daten trainiert wurde, die in Folge zu struktureller Diskriminierung führten – und schon nahm die Diskussion um die Forderungen nach Transparenz und Erklärbarkeit der Entscheidungsfindung Fahrt auf. Und da stoßen kommerzielle Anwendungen dann schnell an die Grenzen des Geschäftsgeheimnisses.

Erdélyi erklärte, welche Akteure sich derzeit im Bereich der KI-Regulierung tummeln. Als eine Einführungslektüre in die Gestaltung möglicher Standards verwies sie auf https://oecd.ai/en/ai-principles. Allerdings, und auch das wurde in der Diskussion schnell deutlich, gibt es eine Vielzahl von Akteuren, die außerhalb unserer Rechtsprechung agieren, seien es nun autokrate Staaten, Kriminelle oder die Art von Diensten, die seit jeher das Licht der Öffentlichkeit scheuen. Wie komplex Handlungsempfehlungen sein können zeigte sie an drei Beispielen:

Ein autonom fahrendes Auto hat jeweils nur zwei Möglichkeiten: Im ersten Fall entweder junge oder alte Menschen zu überfahren – auf der linken Spur die Jungen, auf der rechten die Alten. Im zweiten Fall entweder gegen ein Hindernis fahren, was unweigerlich zum Tod der Person am Lenkrad führen wird oder in eine Gruppe Menschen. Im dritten Fall stehen zwei Fahrradfahrer im Weg: lieber den mit Helm anvisieren oder den ohne Helm? Drei Fragestellungen, für die auch Mitte November im Vortragssaal des Bonner Deutschen Museums keine abschließende Lösung gefunden wurde, die auch nicht ganz neu sind, aber das strukturelle Dilemma gut charakterisieren. Tim Jacobsen

Sascha Lobo erklärt die Welt (und KI)

Das Nachmittagsprogramm des 15. IVG Forums Gartenmarkt startete im Kampf gegen das Suppenkoma interaktiv – Quizmaster Andreas Steinle legte dem Auditorium eine Reihe von Fragen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) vor, die mit zu wenig Zeit, um das allwissende Internet befragen zu können, beantwortet werden sollten.

Team „Du weißt schon“ konnte sich den ersten Platz sichern und um unseren geneigten Lesern nun nicht das Vergnügen zu nehmen, selbst grübeln zu dürfen, falls Sie einmal in eine ähnliche Veranstaltung geraten sollten, sei an dieser Stelle nur so viel verraten: das naheliegendste ist, wie so oft im Leben, nicht immer die beste Lösung.

Damit rollte der Geschäftsführer des Zukunftsinstituts gewissermaßen auch den roten Teppich aus für den zumindest dem Programmverlauf nach main act des Tages. Niemand geringerer als Sascha Lobo, der Mann mit dem bunten Irokesen, versuchte KI und Gartenwelt unter einen Hut zu bringen. Die vielleicht größte Überraschung gleich zu Beginn:

Lobo, bei dem man nicht überrascht wäre, würde er tatsächlich im Internet wohnen, outete sich nicht nur als Gartenbesitzer, sondern auch als Garten- und Heimwerkermarktbesucher, der noch dazu deutlich mehr Geld ausgeben würde, gäbe es technisch ausgereiftere Lösungen, die, etwas zugespitzt formuliert, mindestens Internet-fähig, am Besten Cloud-basiert seien und irgendwo sollte bestenfalls irgendwas mit KI passieren.

Wenn man Lobo schon einmal zugehört hat, erinnert man sich schnell daran, dass ein bisschen Deutschland-Bashing zum guten Ton gehört. Wir sind und bleiben nun einmal digitale Schnarchnasen und als Investitions-averses Land drohe uns nichts weniger als der Niedergang:

„Wenn unser Land da nicht mächtig nachzieht, wird es in zehn Jahren kein wohlhabendes Land mehr sein.“ Während nahezu überall auf der Welt bahnbrechende digitale Entwicklungen vermeldet werden, würden „deutsche Medien noch über Faxgeräte Vergleichstests berichten.“

Eines der Probleme sei, und das ist ein bisschen Lobos Mantra, die „Arbeitskultur“ bei uns. Wir müssten eigentlich, statt „alles erst bis zur Perfektion auszuprobieren“, uns eher „voranscheitern“.

Sonst werden wir bald nur noch „Produkte für die Vergangenheit“ entwickeln, da der Rest der Welt schon „fünf Generationen“ weiter sei. Einmal über den Atlantik ginge nun einmal alles etwas schneller. Moderna bspw. entwickelte in nur 48 Stunden mit Hilfe von Datenströmen einen Covid 19-Impfstoff. Dass es noch Zeit brauchte, bis der dann tatsächlich auf den Markt kam, lag an behördlichen Auflagen.

Einmal nicht Kodak oder Nokia zeigte Lobo am Beispiel von WeightWatchers, wie schnell die Entwicklung über einen hinweg sausen kann. Die Möglichkeit, mit Hilfe von KI eine sehr akkurate Schätzung des Kaloriengehalts der auf einem Handyfoto abgebildeten Mahlzeit zu haben könnte in Gewichtsreduktionswilligen Haushalten Waagen und entsprechend kostenpflichtige Abnehmgemeinschaftsabos überflüssig machen.

Von unseren Bademeistern wird in Zeiten des Fachkräftemangels wahrscheinlich keiner arbeitslos werden, dank einer KI, die auffällige Bewegungsmuster entdeckt und Alarm auslöst, wenn jemand in Not ist, könnten aber zukünftig vielleicht wieder mehr Schwimmbäder geöffnet werden, die jetzt noch aus Personalmangel geschlossen bleiben müssen.

Und wahrscheinlich wäre auch der Basilikum, den er als bekennender Techie mit einem Indooranzuchtgerät anzuziehen versucht hat, , besser geraten, hätte sich die Maschine KI-Unterstützung holen können. Im Großen ginge das ja auch schon: KI gesteuert lassen sich Schädlinge und Unkräuter zweifelsfrei zuordnen. Lobo nannte CropX und Plantix als Beispiele für KI-Unterstützung in der Landwirtschaft, MyGardenGPT.com entsprechend ein Beispiel für den Galabau.

Um mit einer guten Nachricht für die Anfang November in Düsseldorf zahlreich anwesenden Gartenmarktverantwortlichen das Forum Gartenmarkt zu beschließen, prophezeite Lobo, dass Garten- und Heimwerkermärkte gewissermaßen prädestiniert dafür seien, im Abverkauf „menschlicher“ Roboter in nicht allzu ferner Zukunft eine große Rolle spielen zu können.

Wer nun Lust auf mehr von und mit Lobo bekommen hat, sollte je nach verfügbarer Zeit entweder in den 158. Podcast von „Hotel Matze“ oder den fast sechseinhalbstündigen „Alles gesagt“ vom 6.12.2022 reinhören.

Tim Jacobsen

Der Untergang des Abendlandes wurde noch einmal aufgeschoben

Kaum wird irgendwo ein Tempolimit angedeutet, stehen in Deutschland gefühlt 80 Mio. Menschen auf dem Rastplatz der Empörung. Rauchverbot im Wirtshaus? Freiheitsentzug! Zuckersteuer? Diktatur!

Dabei hat die neue Vorschrift oft noch gar nicht das Licht der Welt erblickt, da ist die Stimmung schon schlimmer als im WhatsApp-Chat einer Kleingartenanlage während der Maulwurfssaison. Aber Achtung, liebe Empörungsweltmeister:

Eine an prominenter Stelle veröffentlichte Studie (DOI: 10.1073/pnas.2409907122) zeigt nun, dass der große Aufschrei meist so kurzlebig ist wie Neujahrsvorsätze. Der Widerstand gegen neue Vorschriften ist oft nicht mehr als der sprichwörtliche Sturm im Wasserglas. Irgendwie ja auch logisch: Keiner wird die Revolution ausrufen, nur weil er im Restaurant nicht mehr quarzen darf.

Wenn Menschen plötzlich Prinzipien haben, heißt das in der Fachsprache Reaktanz. Übersetzt bedeutet dies, dass jemand etwas nicht tun darf, was er sowieso nie gemacht hat und sich darüber ärgert, es dann auch in Zukunft niemals machen zu können, bspw. eben mit 250 Sachen über den Highway zu fliegen.

Die Wissenschaftler haben fast 50 000 EU-Bürger befragt und mit weiteren 5000 Testpersonen experimentiert – alles für die große Erkenntnis: Nach der Einführung „böser“ Regeln sind die Leute im Allgemeinen schnell wieder eher tiefenentspannt. In Ländern mit Rauchverbot zum Beispiel war die Ablehnung teilweise geringer als in Ländern ohne.

Was lernen wir daraus? Wenn eine Regel kommt, denken alle erst: „Was verliere ich?“ Aber sobald die Regel da ist, merken viele: „Huch, gar nicht so schlimm. Vielleicht sogar sinnvoll?“

Tim Jacobsen

Alle Jahre wieder

Die Japanische Zierkirsche steht wie kein zweiter Baum für Frühlingserwachen, sie kündigt wärmere Temperaturen sowie längere Tage an und bringt dabei mehr Menschen um den Verstand als Schneeglöckchenwahn, Narzissenblüte und Tulpenhype zusammengenommen.

Das rosa Blütenglück, das sich Anfang April in der Bonner Altstadt wieder einmal von seiner überbordensten Seite zeigt, versetzt Massen in Verzückung, führt zu Straßensperrungen und genervten Anwohnern.

Hanami und Sakura sind die beiden Worte, die beim Verständnis des Phänomens hilfreich sein können: Sakura, die „Blüte der Kirschen“, also sinnbildlich das Erwachen der Natur nach der Kälte des langen Winters, löst Hanami aus, was übersetzt nichts anderes als „Blüten betrachten“ heißt, nur geht es in Zeiten des Internets natürlich schon lange nicht mehr nur um „sehen“, sondern vor allem um „gesehen werden“.

Im Schlossgarten Schwetzingen, am Berliner Mauerweg mit seinen 1000 Kirschbäumen, dem Magdeburger Holzweg, im Hiroshima-Hain in Hannover, in den Witzenhausener Streuobstwiesen oder im Berchtesgadener Kurgarten: es gibt wahrscheinlich kein Foto mehr, das nicht schon gemacht ist.

Anders als in eher weitläufigen Umgebungen sind in den Straßenschluchten entlang der Bonner Heer- und Dorotheenstraße die Zierkirschen dann aber tatsächlich nicht nur fröhlich stimmende rosa Farbkleckse, sondern wenig später dann auch das einzige Grün weit und breit.

Tim Jacobsen

True crime, das unter die Haut geht

Es ist noch gar nicht so lange her, dass in Kleinanzeigen der landwirtschaftlichen Wochenblätter philippinische Frauen offensiv als Ausweg aus der Einsamkeit so manchem bäuerlichen Wohnzimmers beworben wurden. Chris de Stoop meldete sich bei einem dieser Vermittler, sein Debütroman „Ze zijn zo lief, meneer“ handelt von einer internationalen Frauenhändlerbande und hatte nicht nur in Belgien so manche Gesetzesverschärfung und das Ende dieses Businessmodells zur Folge. Es folgten Bücher über das Drogenmilieu, Sexarbeiterinnen, Jihadisten, den Völkermord in Ruanda, Bootsflüchtlinge und die Coronapandemie.

Immer wieder richtet sich sein Blick aber auch auf die Dinge direkt vor seiner Haustür und immer wieder handeln diese Geschichten dann vom Kampf der Kleinen gegen die Großen, von Tradition und Moderne, von Ohnmacht und Ausgeliefertsein. In „De Bres“ erlebt de Stoop aus erster Reihe, wie in seiner Heimat ganze Dörfer der Ausweitung des Antwerpener Hafens weichen müssen und Felder zum letzten Mal bestellt werden.

In dem auch auf Deutsch erschienen „Dit is mijn hof” kehrt de Stoop nach einer Reihe von Schicksalsschlägen auf den leerstehenden elterlichen Hof zurück und wird Zeuge davon, wie abermals bester landwirtschaftlicher Grund und Boden geopfert wird, dieses Mal um Platz für „neue Natur“ zu machen. „Het boek Daniel“ handelt von Jugendlichen, die nichts mit sich selbst anzufangen wissen, und der Ermordung von de Stoops Onkel Daniel, der auf seinem Vierkanthof eigentlich keiner Fliege etwas zu leiden getan hat.

Mit Mord und Totschlag, Brandstiftung und finsteren Machenschaften geht es auch in de Stoops neuestem Roman weiter. Der titelgebende „De Damiaanhoeve“ ist Schauplatz eines Verbrechens, das auch sieben Jahre später nicht aufgeklärt ist. Zwar reimt sich „jeder gewinnt mit Kies“ nicht so schön wie im flämischen Original, schnell wird einem aber schnell klar, dass wahrscheinlich nur diejenige mit der Abbaugenehmigung wirklich vom Kiesabbau profitiert.

Wenn sich dann manche querstellen und einige am Ende vielleicht sogar recht bekommen und als Einzige ihren Hof weiter bewohnen dürfen, trägt das zur dörflichen Harmonie nicht unbedingt bei. Auch wenn die Sympathien klar verteilt sind, macht de Stoop aus höchstwahrscheinlich unschuldig Verdächtigten keine Unschuldslämmer, was letztendlich die Schilderung dessen, was Verdacht und Gerüchte mit einem machen, umso eindrücklicher gestaltet. 240 Seiten kosten 23,99 €.

Tim Jacobsen

Alles torffrei … oder was? Zu Besuch bei Patzer Erden

Es gab einmal eine Zeit – und die ist streng genommen noch gar nicht so lange her – da waren Substrate noch grundsätzlich Erden und Substrathersteller hatten wenig mehr als aufbereiteten Waldboden im Angebot. Und so war es dann wahrscheinlich alles andere als ein Zufall, dass der aus Thüringen stammende Erdenproduzent Paul Patzer nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im hessisch-bayerischen Grenzgebiet ein neues zu Hause fand, denn Wald gibt es, wo Rhön und Spessart aufeinandertreffen, genug.

Klar gab es seinerzeit auch schon Torf, der aber wurde in Moorgebieten hauptsächlich zum Heizen oder als Einstreu im Stall verwendet. Gärtner produzierten in mit Komposten und Stalldung veredelten Lauberden, bis, nun ja, Anton Fruhstorfer 1934 in Weihenstephan erst zum Geschäftsführer des Torfhumusdienstes ernannt wurde, ihm 1943 dann ein Patent auf „durchgefrorenen Schwarztorf“ und zwei Jahre später schließlich eines für die von ihm erfundene „Einheitserde“ erteilt wurde.

Am Anfang stand die Einheitserde

Mit dem Bad Zwischenahner Rezeptvorschlag für ein Kultursubstrat auf der Basis von Torf, Ton, Kalk und der Zugabe von Nährstoffen schlug 1952 dann gewissermaßen für die kommenden Jahrzehnte dem Ende von dem wieder so modern gewordenen „torffrei“ im Gartenbau die Stunde. Pauls Söhne Herbert und Erich, Namensgeber für die Gebr. Patzer KG bekamen den Zuschlag für die Verkaufsgebiete Bayern und Baden-Württemberg und produzierten fortan im osthessischen Jossa „Einheitserde“.

Zupass kam dabei, dass der Produktionsstandort nicht nur Mitten im Wald lag, sondern auch einen Bahnanschluss hatte und die Geomorphologie vor Ort äußerst abwechslungsreich ist. Der Torf kam mit der Bahn, auch heute lässt sich der Schienenverlauf auf dem einem Bahnsteig nicht ganz unähnlich schmalen, rund einen Kilometer langen Betriebsgelände erahnen.

Es war nicht weit bis zur Tongrube und auch heute noch wird einmal im Jahr der Oberboden auf der Tonlagerstätte für zwei Wochen auf die Seite geräumt, genügend Ton für das kommende Jahr 20 km weit in das Erdenwerk gefahren und anschließend hüben wie drüben wieder zugedeckt. Traditionell werden dafür die heißesten und trockensten Tage des Jahres ausgesucht, denn in Verbindung mit Wasser ähnelt die Konsistenz des Naturprodukts eher Schmierseife.

Der Ton macht das Substrat

Dem Ton fällt im Gewächshaus des Gärtners genauso wie im Blumentopf auf der Fensterbank im weiteren Verlauf die fast alles entscheidende Rolle zu: bringt der Torf oder auf gut modern die Holzfaser Struktur ins Substrat, sorgt der Tonanteil für eine ausgeglichene Wasser- und Nährstoffversorgung. Der Ton ist das Bindeglied zwischen den einzelnen Substratbestandteilen. Dabei ist Ton alles andere als gleich Ton, wie Leiter Fachhandel & Export Christian Günther weiß.

Das in der eigenen Tongrube abgebaute Dreischichtmineral Montmorillonit passt nicht nur dank seines pH-Werts von 5,5 sehr gut für die Substratproduktion, auch, was die Ionenaustauschkapazität und die Wasserspeicherfähigkeit angeht, ist der naturbelassene und naturfeucht eingelagerte Ton eigentlich unschlagbar. Denn anders als das in vielen Erdenwerken verwendete Tonmehl setzt sich der mit den Fasern in einem ersten Schritt vermischte frische Ton im weiteren Kulturverlauf nicht ab.

Was für die Gartenbau-Profis gerade gut genug ist, wollen natürlich auch die Amateure gerne haben und so wurde Mitte der Fünfziger Jahre bereits die erste Anlage für Kleinpackungen in Betrieb genommen, heutzutage halten sich der Absatz an den Produktionsgartenbau und an den Fachhandel in etwa die Waage.

Unter Herwig Patzers Ägide fällt die Einführung der unter Gärtnern auch heute noch wohlbekannten Einheitserde ED73 in genau diesem Jahr, möglich wurde sie durch die Erfindung des Langzeitdüngers Plantosan. Einmal Fußballweltmeister später gilt das Waldsterben in den 1980er Jahren allgemein als einer der Wegbereiter für den Aufstieg der Partei „Die Grünen“, gleichzeitig kann ihre Etablierung auch als Ausdruck eines insgesamt kritischeren Blicks auf den Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen gelesen werden.

Ökobewegung führt zum Umdenken

Bemerkbar machte sich dies auch daran, dass Abbaugenehmigungen stets kritischer hinterfragt wurden und es sich abzuzeichnen begann, dass Torf als Rohstoff für die Substratproduktion langfristig zumindest nicht mehr in der gewohnten Form zur Verfügung stehen könnte. Der Einheitserde Werkverband reagierte, brachte 1990 mit der GS90 ein Substrat mit einem Torfanteil von nur noch 60 % auf den Markt, Substrate der Produktlinie Eurohum brachten es dank „natürlich, nachwachsender, heimischer Rohstoffe“ auf einen Anteil von nur noch 40 %.

Mit der frux Öko-Blumenerde bewies Patzer dann im Jahr 1992, dass auch in kommerziell verfügbaren Substraten nicht unbedingt Torf enthalten sein muss, gewissermaßen eine Umkehr der Ausgangslage von nur knapp vierzig Jahren zuvor, als die frux-Kleinpackungen Hobbygärtnern erstmals ein Torfsubstrat bescherten. Der Fall des Eisernen Vorhanges änderte dann erneut die Ausgangslage. Auf einmal stand auch das Baltikum als Rohstofflieferant bereit.

Die Substratindustrie ließ sich das nicht zweimal sagen und von Torfersatz war lange nichts mehr zu hören, bis 2015 auf der Pariser Weltklimakonferenz ein letzter Versuch unternommen wurde, die drohende Klimaerwärmung auf weniger als zwei Grad zu reduzieren. Angela Merkel forderte nach ihrer Rückkehr die einzelnen Fachministerien dazu auf, zu überprüfen, welchen Anteil sie jeweils zur Reduktion des CO2-Ausstoßes beitragen könnten.

Das Pariser Abkommen

Im 2016 beschlossenen Klimaschutzplan 2050 tauchte dann erstmals der Schutz der Moore zum Erhalt wichtiger CO2-Senken auf und schnell gab es kaum eine Gärtnerveranstaltung mehr, in der nicht die von der großen Koalition beschlossenen Torfreduktionsstrategie gleichgesetzt worden wäre mit dem Ausverkauf des Abendlandes. Bis zum Ende der Dekade soll laut Klimaschutzprogramm 2030 im Erwerbsgartenbau ein weitgehender Ersatz von Torf stattfinden, im Hobbybereich soll ab 2026 vollständig auf Torf verzichtet werden.

Mit Stephan Patzer hatte zu dieser Zeit bereits die vierte Generation im Sinntal das Ruder übernommen. Vielleicht, weil er ja nun einmal in einer sehr waldreichen Region groß geworden war; vielleicht, weil torfreduziert oder sogar torffrei schon immer ein Patzerthema war oder vielleicht auch einfach nur, weil er sich als angehender Vater stärker mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigte, hatte er im Jahr 2015 die erste von mittlerweile vier Holzfaseranlagen in Betrieb genommen.

Das Holz dafür stammt aus einem wenige Kilometer entfernt gelegenen Palettenwerk. Nach dem Entrinden der Stämme bleiben immer Randbretter über, aus denen sich keine Paletten bauen lassen, diese werden in die gewünschte Chipgröße zerkleinert, aus denen dann mithilfe der Extruder Holzfasern gewonnen werden, die dann wiederum in verschiedene Fraktionen sortiert gemeinsam mit dem sowieso vorhandenen Ton den Ausgangsstoff für die Substratpro- und Torfreduktion darstellen.

Sortimentsneuaufstellung in Orange, Blue und Red

2020 wurde aus den Gebrüdern Patzer im Namen Patzer Erden, gleichzeitig wurden die „Patzer Erden“ neben den Einheitserden in das Sortiment aufgenommen. Mit den Farben Orange, Blue und Red wurden die verschiedenen Substratvarianten leicht wiedererkennbar als torfbasierend, mindestens 50 % torfreduziert und mindestens 70 % torfreduziert gekennzeichnet, dazu noch Green als organisch vegan gedüngte Erde für den ökologischen Landbau.

Knapp dreißig Jahre nach der frux Öko-Blumenerde kam 2021 dann auch wieder ein komplett torffreies Biosubstrat für Endverbraucher auf den Markt – mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass dieses Mal seiner Zeit nicht weit voraus war, sondern genau passte in eine gesellschaftliche Grundstimmung, in der, auch als Folge der Coronapandemie manche Konsumentscheidung hinterfragt wurde und zumindest für kurze Zeit „Geiz ist geil“ in Vergessenheit geriet.

So gab es auf einmal in manchen Gartencentern Erde unverpackt zum Selbstabfüllen, andere nahmen gleich die ganzen torfhaltigen Substrate aus dem Sortiment. Und der ehemalige „Revisionsverband der Westkaufgenossenschaften“, heute eher bekannt unter Rewe Group, hatte ja auch schon Jahre zuvor angekündigt, ab 2025 keine torfhaltigen Produkte mehr verkaufen zu wollen.

Und sie dreht sich doch

Ein Blick in die Super-, Bau- und Heimwerkermärkte des Touristik- und Handelsunternehmens beweist, dass weder das Pflanzensortiment unter der Selbstverpflichtung gelitten hätte, noch gab es Berichte über Proteste von Konsumenten, die unbedingt ihr Torfsubstrat zurück hätten haben wollen. Christian Günther weiß noch von einem anderen Beispiel zu berichten, in dem die gärtnerische Praxis mit ihrer Innovationskraft eine Antwort auf sich verändernde Rahmenbedingungen gefunden hat.

Zwar exportiere Patzer Erden nicht selbst Substrate nach England, da dies infolge des Brexits einen unvergleichbar hohen bürokratischen Aufwand bedeute, über Baumschulen, die ins Vereinigte Königreich exportieren, würden aber gleichwohl Patzers torffreie Substrate auf die Insel gelangen, nur dann eben gewissermaßen in Begleitung von Pflanze und Topf. Die Hashtags #PeatFreeHeroes und #PeatVillains geben einen Eindruck davon, wie die Diskussion dort geführt wird.

Aber auch die Vielzahl von Projekten hierzulande, die infolge des Klimaschutzprogramms 2030 angestoßen wurden, kommen zu keinem anderen Schluss: Von sehr wenigen Spezialanwendungen wie den Presstöpfen für die Anzucht abgesehen, gibt es außer dem „haben wir schon immer so gemacht“ kein Argument dafür, dass Torf unbedingt Bestandteil von Substraten sein muss.

Noch nicht ganz am Ziel

Damit schließt sich dann auch wieder der Kreis zu den frühen Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen viele Doktor- und Diplomarbeiten zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen waren. Über die ganze Branche hinweg schätzt Günther, dass die Substrate im Jahr 2025 im Hobbybereich noch zu etwa 50 % aus Torf bestehen, bis 2030 könnte der Torfanteil auf rund 30 % sinken. Im Profigartenbau bestehen die Substrate derzeit noch zu rund 80 % aus Torf, bis 2030 könnte dieser Anteil auf 70 % zurückgehen.

Sein eigenes Unternehmen sieht er dem Ziel des kompletten Torfverzichts schon wesentlich näher. Von derzeit 30 % werde der Torfanteil in den Hobbysubstraten bis 2030 auf 10 % zurückgehen, bei den Profisubstraten von derzeit 50 % auf 30 %. Das Ganze stehe und falle allerdings mit der Zuverlässigkeit der Rohstoffversorgung.

Wenn der Suezkanal blockiert ist oder Schiffe wegen des Beschusses von Huthi-Rebellen um das Kap der guten Hoffnung fahren müssen, zahle sich aus, nicht auf Kokosprodukte sondern auf Holzfasern, Substratkomposte und Rindenhumus aus eigener Produktion gesetzt zu haben. Aber auch mit regional erzeugten Rohstoffen ist nicht immer alles planbar: lautet die politische Vorgabe wie bspw. Anfang des Jahrhunderts Holzpellets statt Erdgas, dann stellt das auch langjährige Geschäftsbeziehungen auf die Probe.

Der Aufwand steigt

Und dann ist da ja auch noch das kleine Detail, dass es unvergleichbar aufwendiger ist, ein torffreies Substrat zu produzieren, als Torf mit Ton und ein paar Nährstoffen zu mischen. Günther zeigt dies anschaulich an zwei Gläsern, in denen jeweils schichtweise übereinander die einzelnen Komponenten zu sehen sind. Torffrei bedeutet ganz einfach, dass verschiedenste Zutaten aufeinander abgestimmt gemeinsam dann ein dem gewohnten Torfsubstrat ebenbürtiges Ergebnis liefern müssen.

Dafür braucht es jede Menge technisches und gartenbauliches Knowhow. Oder wie Günther es formuliert: die Schere zwischen den Qualitäten der verschiedenen Substratanbieter wird zukünftig weiter auseinandergehen, je größer der Anteil an Torfersatz sein wird. Denn, und das fasst es vielleicht am allerbesten zusammen: „Es steckt nicht nur viel drin, es steckt auch viel dahinter.“

Eine Menge Platz braucht es auch, wie beim Besuch am Produktionsstandort in Sinntal Jossa schnell deutlich wird. Beziehungsweise eine Menge mehr Platz, wie an den Aussiedlungsplänen von Patzer Erden deutlich wird. Ab 2027 sollen die torffreien Substrate in Schildeck auf der bayerischen Seite der Bundesländergrenze produziert werden.

Neues Mitglied der „Erdschöpfungskette“

Das hat nicht nur für die Beschäftigten den Vorteil, das Überangebot an katholischen Feiertagen in Bayern für sich in Anspruch nehmen zu können, das Ganze wird dank der Autobahnauffahrt Wildflecken auch den Verkehr innerorts entlasten. Während der Saison sind doch schnell Tag für Tag 50 vollbeladene LKW Richtung Kunden unterwegs – und wo viel rausgeht, muss natürlich auch einiges rein, was die Belastung schnell verdoppelt.

Der größte Vorteil des Neubaus wird Günther zufolge aber sein, dass endlich genug Platz sein wird für all die verschiedenen Fraktionen, aus denen torffreie Substrate bestehen. Reichten zu Beginn der Torfsubstratära im Prinzip zwei Beschicker, können es heutzutage fast gar nicht genug sein: allein die Holzfasern werden in grob, fein, mittel fraktioniert, um dann eben ein möglichst gut auf den Einsatzzweck zugeschnittenes Substrat beim Kunden abliefern zu können.

Fährt heute Alfred, das bei jungen und alten Betriebsbesuchern gleichermaßen beliebte Fotomotiv, mit dem Radlader wegen des dem Talverlauf folgenden Betriebsgeländes unzählige Male zwischen den Vorratsschüttungen und der eigentlichen Substratmischanlage hin und her, wird künftig die Anlage von außen beschickt werden, was nicht nur einiges an Kilometern sparen wird, sondern auch die Arbeitsabläufe deutlich vereinfachen.

Drei Standorte sorgen für kurze Lieferwege

Derzeit ist die kleinstmögliche Bestellmenge einer genau nach Wunsch gefertigten Substratmischung 15 m3, für abgesackte Ware gilt das Doppelte. Der allergrößte Teil der ausgelieferten Ware wird gewissermaßen frisch auf Bestellung angefertigt.

Da es von den Beschickern direkt auf das Förderband vorbei an Düngedosierern, Befeuchtern und was es sonst noch so alles gibt über verschiedene Mischvorrichtungen bis hin zur Absackanlage, dem Jumbobalebefüller oder dem Förderband für die lose Befüllung geht, kann in Jossa kontinuierlich produziert werden.

Der Vorteil der vielen Produktvarianten, die in Altengronau und Jossa noch fertig im Palettenlager stehen, ist, dass bei einer Bestellung dann schnell auch noch andere Artikel, egal ob für den Profi- oder Hobbybereich oder den Galabau, hinzugefügt werden können. Die beiden Sinntal-Standorte werden noch ergänzt von Buchenberg und Warngau im Süden der Republik und Gubkow Richtung Ostsee.

Tim Jacobsen

Liebe Kollegen von der schönen Zeitung

Irgendwann in den Tagen seit Mittwoch letzter Woche ist der FAZ bedauerlicherweise verloren gegangen, wofür ich sie eigentlich immer bewunderte. Aus einem Blatt mit vielen Meinungen ist eine Meinung auf vielen Blättern geworden. Natürlich hat Friedrich Merz Recht, wenn er, wie gerade eben in Bonn, die Verfehlungen in der Energiepolitik, die Migrationspolitik der letzten Jahre, oder das Großmachtstreben Russlands kritisiert. Streng genommen fußen aber alle diese Entwicklungen auf Entscheidungen, die in 16 Jahren CDU-Kanzlerschaft getroffen wurden. Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Morgenlektüre auch angesichts eines derzeit alternativlos erscheinenden Kanzlerkandidaten von vorauseilender Hofberichterstattung Abstand nehmen könnte.

Beste Grüße nach Frankfurt

Tim Jacobsen

Fame, Famer, Fell

Mit um die 650 Mio. Follower lag im Januar cristiano an der Spitze der Instacharts, mehr oder weniger dicht gefolgt von leomessi. Auf Platz 13 dann taylorswift, in etwa gleichauf mit unseren Kollegen von natgeo. Mit gut 22 Mio Follower spielt SZA dann zwar „nur“ in der Liga von lena, der Top drei der deutschen Instaberühmtheiten, dass sie u.a. aber auch an der Seite von Kendrick Lamar die Halbzeitpause des diesjährigen Super Bowl musikalisch untermalte, unterstreicht, dass Musik-Superstar wohl eher noch untertrieben ist.

Es soll sogar Menschen geben, die keine Mühen scheuen und weite Reisen unternehmen, um einmal im Leben ihrem Idol nahe zu sein. Ende Januar präsentierte sich SZA nun in gelber Bikini-Hose und grün-weißem Trikot im Retro-Stil, soweit gerade nicht weiter ungewöhnlich auf der Socialmediaplattform – denn solche Sport-Shirts liegen gerade absolut im Trend. Doch den Fans stach sofort die Aufschrift auf dem Adidas-Trikot ins Auge. In großen Buchstaben steht dort: „Zaun – Garten – und Landschaftsbau Manfred Fell Heinsberg“ (https://www.instagram.com/p/DFV-E-GIG1l/?img_index=1).

„Dieser Gartenverein hat gratis Promo des Jahres bekommen“, heißt es in einem Kommentar. „Aber woher hat sie Manfreds T-Shirt?“, lautet ein weiterer. Manfred Fell ist selbst überrascht über seine neu erlangte Berühmtheit. „Die ersten Nachrichten kamen bei meinem Sohn an und wir waren zusammen unterwegs und dann ging es quasi in einem durch“, erzählt er dem Sender RTL. Das Trikot sei Anfang der 90er-Jahre für die Fußball-Betriebs-Mannschaft hergestellt worden.

Auch Sohn Frederic kann nur über die Trikot-Reise rätseln und nimmt an, „dass es durch einen Retro- oder Secondhand-Shop den weiten Weg genommen hat“. Der Gartenbaubetrieb mit den acht Mitarbeitern freue sich über die unerwartete Aufmerksamkeit, so Manfred Fell weiter. Dass die ihm neue Aufträge einbringt, glaubt er aber eher nicht. „Da muss man realistisch bleiben.“ Er habe sich mittlerweile aber einige Lieder von SZA angehört, „schöne, gut anhörbare Musik“, findet er.

Tim Jacobsen

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