Nachrichten zur Wettbewerbslage

"Now, here, you see, it takes all the running you can do, to keep in the same place. If you want to get somewhere else, you must run at least twice as fast as that!"

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Gute Stimmung auf dem Möhrenforum 2025

Streng genommen hätte rein rechnerisch 2025 das achte Möhrenforum stattfinden müssen. Eine Pandemie sowie eine Möhrenforumssommeredition später war es dann aber tatsächlich erst Nummer sieben, die uns ins zwar nicht verschneite, aber dennoch leicht angepuderzuckerte Leverkusen brachte, genauer gesagt mitten rein ins Herz des deutschen Triplechampions.

Denn die Baumeister der Bayarena hatten inmitten der Nordtribüne, Heim der Ultras und sonstigen Diehard-Fans des Fußballbundesligateams mit dem Weltkonzern im Namen extra eine kleine Logenreihe ausgespart, die an Tagen ohne Spielbetrieb vom rheinländischen Ableger der im Stadionrund befindlichen, kurz vor Weihnachten allerdings in Konkurs gegangenen Hotelkette für Tagungsveranstaltungen genutzt wird.

Und so passten die gut 80 Teilnehmer samt dem Auftritt unserer Platinsponsoren Bayer, Basf, Bejo, Escarda, Hazera und Rijk Zwaan dann auch gerade so in den Tagungssaal mit Blick auf das Allerheiligste, den Leverkusener Rasen, der im Rahmen der den ersten Veranstaltungstag beschließenden Stadionführung, die nichts weniger als den Headgreenkeeper aufbot, nicht nur in Augenschein genommen, sondern auch betreten werden konnte. Ein Umstand, der unseren Stadionführer zum Kommentar verleitete, dass er dies in mehr als zehn Jahren wenn überhaupt nur einmal erlebt hätte.

Aber auch wenn die Geschichte des Möhrenforums mittlerweile fast eineinhalb Jahrzehnte umfasst, waren nicht nur die Sponsoren aus der Saatgutindustrie seit 2011 als zuverlässige und unverzichtbare Partner alle Jahre wieder mit an Bord, auch ein knappes Viertel der Teilnehmer hätte für einen lückenloses Teilnahmenachweis eigentlich eine Ehrennadel verdient gehabt. Wir werden diese zur zehnten Auflage des Möhrenforum in voraussichtlich sechs Jahren dann nachreichen.

Und was mit der Bayarena unweit des Bayer-Kreuzes, immerhin der größten Leuchtreklame weltweit begann, fand dann mit dem zweiten Veranstaltungstag sein Ende am Sitz der Crop Science Division der Bayer AG in Monheim am Rhein. Maren Schlichting-Nagel und Judith Imnadze-Wehr stellten, orchestriert von Heinz Breuer und Tim Pauli, im Rahmen einer Führung über das weitläufige Werksgelände die Bereiche Substanzlogistik, Insektizide, Applikationstechnik sowie das SeedGrowth Center vor.

Am Nachmittag zuvor gab es noch das eine und andere zu erleben, und damit ist nicht unbedingt nur das Workoutangebot von Jerrek Tebling gemeint, das den eher technisch gehaltenen zweiten Vortragsblock vom eher Pflanzenschutz-orientierten ersten Teil mit den beiden Möhrenkoryphäen Frank Uwihs und Gerd Sauerwein trennte. Bei Christoffel den Herder waren dann schon mehr Traktoren und Holzkisten zu sehen, bei Daniel Pitton flogen die Möhren im wahrsten Sinne des Wortes durch die Sortierung und Judith Dittrich machte vor der Kaffeepause noch Appetit auf den Möhrendreiteiler des Arbeitskreises Möhren.

Muhammed Sidi ließ, während der Stadionrasen trotz früh einsetzender Dämmerung noch hell erleuchtet war, keine Zweifel daran aufkommen, dass Escardas Laser-basierte Unkrautbekämpfungslösung schlichtweg unübertroffen ist. Jeroen Veldman schickte seine Odd.Bot-Flotte auf den Weg und Lena Pollul sowie Tim Boenigk wagten zwar keinen Blick in die Kristallkugel, attestierten der laufenden Möhrensaison für sowohl Bio- als auch konventionelle Ware allerdings ein durchschnittliches Preisniveau mit einem sehr stabilen Preisniveau über den Herbst und leichten Preisaufschlägen – die hoffentlich einen Trend eingeleitet haben, der sich weiter fortsetzt!

Tim Jacobsen

Wie alles mit allem zusammenhängt: Revolutioniert Dyson auch den Erdbeeranbau oder will er nur Steuern sparen?

Im November 2024 kündigte die neu gewählte Labour Regierung an, die Befreiung von der Erbschaftssteuer für landwirtschaftliche Betriebe ab einer Million Pfund aufheben zu wollen, , was zu Massenprotesten im gesamten Königreich führte. 32 Jahre zuvor war die Übertragung von landwirtschaftlichen Betrieben zwischen den Generationen unter dem konservativen John Major- zum Schutz der Ernährungssicherheit von der Steuer befreit worden. Die neue Regelung soll im April 2026 in Kraft treten und sieht eine Erbschaftssteuer von 20 % auf Beträge über diesem Schwellenwert vor.

Die Landwirte führen ins Feld, dass sie zwar reich an Vermögen, aber arm an Bargeld seien, was zu einer Situation führe, in der Erben Ackerland verkaufen müssten, um ihren Steuerpflichten nachkommen zu können. Befürworter der Änderung argumentieren damit, dass wohlhabende Privatpersonen Ackerlandkaufen, um der Erbschaftssteuer zu entgehen. Regierungsangaben zufolge würde die Maßnahme etwa 27 % der landwirtschaftlichen Betriebe im Vereinigten Königreich (ungefähr 56700 landwirtschaftliche Betriebe) betreffen.

Wütend machten die Steuerpläne der Labour-Regierung auch Staubsauger-Milliardär James Dyson, der sich als einer der schärfsten Kritiker der neuen Erbschaftsteuer auf Landwirtschafts- und andere Familienbetriebe hervorgetan hat. Als „bösartig“ bezeichnete Dyson die Budgetpläne von Finanzministerin Rachel Reeves in einem Gastkommentar in der „Times“. „Kein Unternehmen kann Reeves’ zwanzigprozentigen Steuer-Zugriff über­leben“, schimpfte er. Nicht weniger als den „Tod des Unternehmertums“ siehe er kommen.

Dass der 77 Jahre alte Unternehmer und Erfinder sich so sehr für die Steuerbelastung der Bauern interessiert, könnte auch daran liegen, dass er selbst eines der größten Landwirtschaftsunternehmen des Vereinigten Königreichs zusammengekauft hat. Besonders in Lincolnshire im Nordosten Englands, wo es sehr gute Böden gibt, sowie in Somerset im Südwesten hat er im vergangenen Jahrzehnt große Flächen erworben.

Insgesamt fast 15000 ha Land gehören der Dyson Farming Ltd. Damit ist der Mann, der mit der Erfindung von Hightech-Staubsaugern, Hände- und Haartrocknern zum fünfreichsten Briten aufstieg, inzwischen auch unter den fünf größten Produzenten für Getreide, Bohnen und Kartoffeln des Landes angekommen. Neben den klassischen Ackerbaukulturen baut Dyson auch Erdbeeren im großen Stil an. Auf seiner Farm in Lincolnshire wachsen mehr als eine Million Erdbeerpflanzen in Gewächshäusern, die mit LED-Lichtern beleuchtet werden.

Die Gewächshäuser mit insgesamt mehr als 100000 m2 Fläche sind hoch technisiert. So erspähen Roboter des Start-ups Dogtooth aus Cambridgeshire mit optischen Sensoren die reifen, roten Früchte. Ein Greifarm pflückt und legt sie in Kisten. Alles ist so weit automatisiert wie nur möglich. Dank des Einsatzes von UV-Licht kommen so gut wie keine Fungizide zum Einsatz. Rund 1250 t Erdbeeren sind der Lohn der Mühen. Der Bioabfall wird in großen Faultürmen vergoren, und das daraus entstehende Gas und die Wärme wird für die Beheizung der Treibhäuser genutzt.

Mehr als 140 Mio. Pfund hat Dyson nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren in die Modernisierung seiner gleichnamigen Faming Limited investiert. Und er plant Großes, auch wenn der ausgewiesene Gewinn von fünf Millionen Pfund angesichts der großen Investitionen eher mäßig scheint Kritiker werfen ihm (und anderen Promi-Landwirten wie Jeremy Calrkson) vor, sie wollten mit ihren Farmen lediglich Steuern sparen. Dyson weist dies zurück.

Bei dem angenommenen Wert seiner Farmaktivitäten in Höhe von gut 600 Millionen Pfund und möglichen rund 120 Millionen Pfund Erbschaftsteuer fällig, haben seinen Beteuerungen, die Investitionen in die Landwirtschaft dienten garantiert nicht dem Zweck, Erbschaftsteuer zu vermeiden, zumindest einen Beigeschmack. Zumal der dreifache Vater und sechsfache Großvater vor fünf Jahren auch bereits seine nach Singapur verlegt hatte – auch dies selbstredend nicht aus steuerlichen Gründen.

Die Motivation für sein Engagement in der Landwirtschaft sei eine andere, beteuert Dyson. Er wolle helfen, moderne Technologien und nachhaltige Anbaumethoden zu etablieren sowie dazu beitragen die Lebensmittelqualität und Versorgungssicherheit insgesamt zu verbessern. Der Absolvent des Londoner Royal College of Art hatte sich ab den Siebzigern in technische Erfindungen und Konstruktionen vergraben und ließ sich dabei von Fehl- und Rückschlägen nicht entmutigen.

Seine ersten Ideen wie das Transportboot Sea Truck floppten, ebenso die eigenwillige Konstruktion einer Schubkarre, die nicht auf einem Rad, sondern auf einer Kugel rollen sollte. Auch der Wasser-Quad wurde kein Erfolg. Erst mit dem effizienten Hightech-Staubsauger, der ohne Beutel (und später ohne Stromkabel) auskommt, gelang Dyson der Durchbruch. Angeblich hat er in fünf Jahren 5127 Prototypen gebaut, bis ihn das Ergebnis endlich befriedigte. In dieser Zeit war die Familie knapp bei Kasse, sie lebten vom Gehalt von Dysons Frau, einer Kunstlehrerin.

Auch die Markteinführung war schwierig. Da die britische Industrie abwinkte, ging Dyson nach Japan. Schließlich wurde der Staubsauger ein globaler Markterfolg. „Der Dyson“ ist inzwischen ein Haushaltsname, mehr als zehn Millionen Briten nutzen ihn. In den meisten Ländern hat die Firma einen Marktanteil von mehr als zwanzig Prozent, in Deutschland sind Dyson-Staubsauger beliebter als die heimischen Marken Miele und Bosch. Immer neue Modelle designen Dysons Ingenieure im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Malmesbury, Südengland.

Verglichen mit den Hightech-Produkten in Dysons Sortiment, die in den jeweiligen Produktkategorien oft Marktbeherrschend wurden, scheint der Konkurrenzkampf im Erdbeergeschäft vergleichsweise hart. Dysons Erdbeeren, die er über die Supermarktketten Sainsbury’s und Marks & Spencer verkauft werden, liegen preislich am obersten Ende. Künftig soll mit mehr Union-Jack die britische Herkunft noch stärker hervorgehoben werden. Einblick in das Hightechgewächshaus gewährt https://tinyurl.com/4prt9ty3.

Tim Jacobsen

Wissenschaft, die Wissen schafft

Was sich nach Klamauk und Schabernack anhört, könnte durchaus ernste Konsequenzen haben: Forschende der Universitäten Bath, Aachen und Frankfurt beobachteten 192 Stunden lang das Kaufverhalten von insgesamt 3810 Kunden – und das an einem winzig-kleinen, oftmals übersehenen Teil der Obsttheke von Rewe-Märkten. Und zwar genau an der Stelle, an der es einzelne Bananen zu kaufen gibt.

Wurden diese Bananen mit einem Mitleid-erweckenden „Wir sind traurige Singles und möchten gekauft werden“ angepriesen, steigerte dies den Absatz gegenüber vermeintlich glücklichen und auch so beschilderten Single-Bananen um mehr als die Hälfte. Damit könnten die Bananen ein Vorbild sein für alle Singles, egal ob Mensch oder pflanzlichen Ursprungs. Das Betonen der eigenen Imperfektionen könnte, anders als auf den einschlägigen Vermittlungsportalen üblich, die eigene Attraktivität zumindest wissenschaftlich belegt noch einmal deutlich steigern.

Und was für Chancen tun sich damit dann erst im Geschäft mit allem was blüht und verblüht auf? Dass es für verderbliche Ware auch noch ganz andere Möglichkeiten zur Wertschöpfung gibt, bewies unlängst Maurizio Cattelans Banane, die mit Klebeband an der Wand, mit „Comedian“ als Titel und damit als Kunstwerk ausgewiesen für knapp 6 Mio. € den Besitzer wechselte. Immerhin gut 3 % des jährlichen Gesamtumsatzes mit Bananen in Deutschland.

Tim Jacobsen

Am Zentralfriedhof ist Stimmung

Vor etwas mehr als 150 Jahren, genau genommen am 1. November 1874 wurde Jakob Zelzer als einer der Ersten von mittlerweile mehr als drei Millionen Verstorbenen auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet. Der „neue“ Friedhof, nach mehreren Ausweitungen mit zweieinhalb Quadratkilometern immerhin der zweitgrößte Europas, war dabei schon immer etwas anders: nicht nur war er der erste seiner Art, der nicht von der Kirche betrieben wurde, er ist mit Sicherheit auch der erste Friedhof überhaupt, der Kultstatus erlangte und das lag nicht nur, aber auch an Wolfgang Ambros’ Lied „Es lebe der Zentralfriedhof“, das 1975 erschien.

Heutzutage ist der Zentralfriedhof ist eine Art begehbares Geschichtsbuch, eine Architekturausstellung, Schaubühne vergangener Größe und vergänglicher Würde, ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen und ein Ort der Ruhe, Erholung und Besinnung – die nur von den auf dem benachbarten Flughafen Schwechat startenden und landenden Flugzeugen gestört wird. Gegen Gebühr kann man mit dem Auto auf den Friedhof, ein Elektrobus dreht seine Runden, am gemächlichsten geht es mit dem Fiaker.

E-Bikes können ausgeliehen werden, Jogger auf ausgewiesenen Strecken entlang der Gräber an ihrer Ausdauer arbeiten und, wir sind ja in Wien, nach Konditorei und Würstelbuden muss auch nicht lange gesucht werden. Klar, gibt es ein Bestattungsmuseum innerhalb der Friedhofsmauern und natürlich haben die Friedhofsgärtner auch einen eigenen Souvenirladen, T-Shirts mit dem Aufdruck „irgendwann bleib i dann durt“ sind noch die eher weniger makabren Mitbringsel. Es wurden 170 Tier- und 200 Pflanzenarten gezählt, bis in die Achtziger Jahre gab es einen eigenen Jagdverein und gegen Gebühr kann auf Freiflächen gegärtnert werden.

Reiseführer verweisen auf das prominente Gräberfeld. Nicht nur an Allerheiligen stehen Busse vor den Eingängen. Der Touristenandrang ist so groß, dass Fremdenführer eine Akkreditierung brauchen. Der Promifaktor zieht: Die Gräber von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Udo Jürgens, Falco oder dem Karikaturisten Manfred Deix fehlen auf keiner Besichtigungstour.  330 000 Gräber gibt es hier, dazu kommen noch einmal 220 000 Gräber im restlichen Wien. Mit deren Verwaltung sind bei der Friedhöfe Wien GmbH 380 Leute beschäftigt.

Sie wachen auch über die Einhaltung der 29-seitigen Bestattungsanlagenverordnung. Die definiert, wann ein Grab ein Grab ist, und legt fest, dass ein Sarg nicht länger als 2,12 m, eine Urne nicht höher als 35 cm sein darf. Österreichs größtes Krematorium, ein Begräbnisort für Haustiere, eine Gärtnerei und eine Steinmetzwerkstatt gehören ebenfalls zur Friedhöfe Wien GmbH. Zuletzt setzte der Betrieb samt Beerdigungszweig 17,4 Mio. € um. Vor gut zwanzig Jahren hielt auch im Wiener Zentralfriedhof die Marktwirtschaft Einzug:

Das jahrhundertealte Monopol der „Bestattung Wien“ wurde aufgehoben. Seit 2002 bieten auch private Unternehmen ihre Dienste um „a schöne Leich“ an. „A schöne Leich“ ist in Wien dabei gleichbedeutend mit einem würdevollen Begräbnis. Dafür sorgen die „Pompfüneberer“, also die Bestatter. Ihr Name leitet sich von einem Unternehmen aus dem 19. Jahrhundert ab, das als „Entreprise des pompes funèbres“ in die Geschichte einging. Über die Toten heißt es dann, dass „sie den 71er genommen haben“. Die Straßenbahnlinie 71 verkehrt zwischen Börsegasse und Wiener Zentralfriedhof.

Tim Jacobsen

Bange machen gilt nicht

Die allzu Zuversichtlichen von uns wurden im Laufe der Evolution wahrscheinlich irgendwann im wahrsten Sinne des Wortes aufgefressen – auf Alarmzeichen wie knurrende Raubtiermägen lieber etwas übertrieben zu reagieren, hat uns Menschheits-geschichtlich höchstwahrscheinlich mehr als nur einmal das Überleben gesichert – auch wenn sich „Negativity Bias“ erst einmal so gar nicht nach Lebensretter anhört.

Heutzutage sind es zumindest in unseren Breiten nicht mehr wilde Tiere, die uns nach dem Leben trachten, sondern Nachbarn oder der eigene Partner, die uns das Leben schwer machen – wobei wir im Moment des Aufruhrs geflissentlich übersehen, dass der Nachbar mehr ist als nur sein Laubbläser, der Kollege mit den kryptischen Mails vielleicht gerade andere Sorgen hat und sich auch die beste Ehefrau von allen nicht auf eine nicht immer effizient-möglichste Nutzung von Parkraum reduzieren lässt.

Das Negative setzt sich stärker fest im Kopf als das Positive: Wer hat nicht schon einmal das Gefühl gehabt, immer an der falschen Kasse anzustehen? Statistisch gesehen ist das so gut wie unmöglich und über das rein Rationale hinaus: die Einkaufstouren, bei denen es flotter nicht hätte laufen können, sind schlichtweg in Vergessenheit geraten.

Es ist nichts ganz Neues, dass wir mehr Angst davor haben, zehn Euro zu verlieren, als Freude darüber empfinden, zehn Euro zu finden. Unser Gehirn ignoriert statistische Wahrscheinlichkeiten weitgehend und Kritik beeinflusst uns weitaus stärker als Lob. Wir fühlen uns in Gruppen wohl und äußern uns abwertend über Andere, wenn das im Umkehrschluss unser Gruppengefühl stärkt.

Wir denken gerne in Schubladen, kognitiven Dissonanzen gehen wir lieber aus dem Weg und so sind viele Probleme in Wahrheit Scheinprobleme. Auch wenn wir alle fest daran glauben, dass wir einzigartig sind, unterliegen wir doch denselben psychologischen Mechanismen.

Ein grauer Novembermorgen, eine Regierung auf der einen Seite des Atlantiks zu viel und auf der anderen zu wenig, das Ganze eingebettet in eine Nachrichtenlage, die alles mit etwas Qualvollem überzieht, spült die Frage, wohin all dies denn noch führen soll, im Gedankenstrudel zwangsläufig ganz nach oben.

Dabei ist die Lage gar nicht so schlecht. Viele Sorgen sind vom eigenen Unvermögen, sich im stressigen Alltag mit kompliziertem Zeug auseinanderzusetzen, gewissermaßen an den Haaren herbeigezogen. Nicht ganz unschuldig daran ist, was gemeinhin Empörungsökonomie genannt wird: Empörung schürt Aufmerksamkeit und damit lässt sich Geld verdienen. Aber ist es wirklich so schlimm, wenn andere Menschen etwas anderes fordern als man selbst?

Vielleicht geht es am Ende auch ein bisschen darum, auszuhalten, dass man nicht alles versteht, ohne öffentlich zu beklagen, dass man gar nichts mehr versteht und überhaupt auch gar nichts mehr sagen darf?

In „Heute ist besser“ kombiniert Stefan Sagmeister Design, Kunst, Geschichte und Statistik zu einer neuen Sprache von Zahlen, anhand derer er verschiedene Entwicklungen der Menschheit visualisiert. In Form von zeitgenössischen Eingriffen in historische Gemälde zeigt er, dass früher mitnichten alles besser war.

Auch wenn, wer gerade von einem Erdrutsch verschüttet wurde, wenig Trost in der Tatsache finden wird, dass heute weniger Menschen in Naturkatastrophen umkommen als vor 100 Jahren, lässt sich als grobe Linie festhalten, dass es heute besser ist als vor 100 Jahren, und dass es vor 100 Jahren besser war als vor 200 Jahren. Und so wird es wahrscheinlich auch in 100 Jahren besser sein als heute.

Genauso, wie es besser ist, am Leben zu sein, als tot auf dem Friedhof zu liegen, angenehmer ist, gesund zu sein als krank. Wir haben lieber etwas zu essen, als dass wir hungern. Wir leben lieber in einer Demokratie als in einer Diktatur, lieber im Frieden als im Krieg. Wir sind lieber gebildet als ignorant.

Aber was, wenn sich dann einer die Losung „Make America great again“ auf die Kappe schreibt? Eigentlich kann das nur funktionieren, wenn heute alles schlecht ist und es früher viel besser war. Aber wann war es je „great“? Vor zehn Jahren? Aus konservativer Sicht scheidet Obamas Präsidentschaft schon einmal aus. Davor gab es 9/11, Irak und Afghanistan und noch ein Stück weiter zurück trat Ronald Reagan mit dem genau gleichen Slogan an.

Und wo wir ja schon bei systematischen Fehleinschätzungen waren, nichts anderes versteckt sich ja hinter dem Begriff Bias: „Biased Memory“ bezeichnet das Phänomen, dass das Schlechte an schlechten Nachrichten schneller vergessen wird wie das Gute an guten Nachrichten.

Deshalb zum Schluss noch ein bisschen aktuelle Datenlage aus dem „Glücksatlas“: Die Lebenszufriedenheit ist im Jahr 2024 besonders stark bei denjenigen gestiegen, die in der Pandemie besonders stark gelitten haben: bei Alleinlebenden, Jugendlichen und berufstätigen Müttern. Die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten ist gesunken, genauso wie die Angst vor unbezahlbarem Wohnraum, vor Steuererhöhungen, vor einer schlechteren Wirtschaftslage, vor überforderten Politikern, vor der Spaltung der Gesellschaft.

Es geht uns immer besser. Wir leben gesünder, trinken durchschnittlich weniger Alkohol, die Zahl derer, die mindestens einmal pro Woche spazieren gehen, joggen oder das Fitnessstudio besuchen, ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen. Wir haben alle Möglichkeiten, uns auszutauschen, über Zeitzonen und Ländergrenzen hinweg, binnen Sekunden. Das alles zeigt: das Leben wird besser, wenn wir es wollen.

Tim Jacobsen

Beruf Gärtner. Der Zukunft gewachsen

Die Älteren unter uns können sich noch erinnern: am ersten Tag des Jahres 2000 drohte der Weltuntergang, weil überfleißige Programmierer übersehen hatten, dass mitunter ja auch einmal ein Jahrtausendwechsel anstehen könnte. Danach entwickelte sich das Jahr 2030 zum neuen Sehnsuchtsziel und so verabschiedeten die Vereinten Nationen noch im Jahr 2015 eine Agenda 2030, wohlwissend oder besser hoffend, dass in 15 Jahren eine Menge passieren kann.

Zur Halbzeit Richtung 2030 war das Fazit dann allerdings mehr als ernüchternd: angesichts von Kriegen, Pandemien, der Erderwärmung und einem augenscheinlich viel zu oft fehlenden politischem Willen werden wir wohl keines der darin formulierten 17 Ziele auch nur annähernd erreichen.

Dringend Zeit für eine neue Messlatte und da wir uns ja gerade mit Riesenschritten in Richtung stille Zeit und dem dazu gehörenden „wünsch Dir was“ begeben, wollen wir uns einmal in das fern klingende, in Wahrheit aber auch nur 300 Ausgaben des Gartenbau-Profis entfernte Jahr 2050 begeben. Steilvorlage könnte das „Maßnahmenpaket Zukunft“ sein, dass „der Gartenbau“ gewissermaßen als erledigte Hausaufgabe im Frühjahr 2024 „der Politik“ überreichte.

Allerdings krankt das Maßnahmenpaket, wie schon der Zukunftskongress zwei Jahre zuvor, daran, dass die Zukunft selbst darin etwas zu kurz kommt. Zugegebenermaßen ist das mit der Zukunft und wie sie aussehen wird, ja auch so eine Sache. So wie wir heute Gewächshäuser aus den1980er Jahren zuweilen belächeln, werden wir im Jahr 2050 wahrscheinlich auf Produktionsstätten schauen, die heute den Stand der Technik markieren. „Aus einer anderen Zeit“, „am falschen Fleck“ und überhaupt „von Innovation kaum was zu sehen“, könnte unser Urteil dann lauten.

Wobei es auch 2050 noch diejenigen geben wird, die das ganze moderne Zeug verteufeln und einfach nur in Ruhe ihr Ding machen wollen, genauso wie es auch diejenigen geben wird, denen alles gar nicht schnell genug gehen kann und die gedanklich schon wieder ein Vierteljahrhundert weiter sind.

Und natürlich ahnten auch die Dinosaurier nicht, dass ausgerechnet ein Asteroideneinschlag ihrer Vorherrschaft ein Ende bereiten könnte – genauso wenig war Ende Oktober der Wahlausgang in den USA absehbar oder hätte vorweihnachtlicher Frieden die Brandherde des Nahen Ostens, des Ostchinesischen Meers, in Myanmar, Ost- und Westafrika oder der Ukraine gelöscht.

Dennoch könnte es durchaus so sein, dass sich der Produktionsgartenbau bis 2050 in eine wahrhaft nachhaltige Richtung entwickelt. Dies sowohl was die finanziellen Aussichten als auch was die heute bereits vielfach diskutierten Nachhaltigkeitsaspekte wie Klimaresilienz und dem Anforderungskatalog des in Zukunft noch deutlich wichtiger werdenden Prädikats „gut für Mensch und Umwelt“ angeht.

Anzeichen hierfür sind im hier und jetzt bereits erkennbar: Nahrungsmittelskandale werden auch in Zukunft nicht ausbleiben und das Insektensterben wird über kurz oder lang zu einer deutlichen Abnahme von Wildvögelpopulationen führen – zwei der Entwicklungen, die zu einem endgültigen Gesinnungswandel weg von „Geiz ist geil“ beitragen könnten. Eher aktivistisch veranlagte Grundbesitzer könnten (wie bspw. bereits in Dänemark zu beobachten ist) zunehmend strikte Bedingungen an die Art der Bodennutzung stellen.

Produzenten und Konsumenten nähern sich nach Jahren der Entfremdung wieder an, ihr Schulterschluss sorgt dafür, dass die Gesetze des Marktes ein Stück weit ausgehebelt werden. Auch wenn Energie in Zukunft tatsächlich ohne Preiskärtchen verfügbar sein könnte, wird die Konkurrenz in den klassischen Handelskanälen nicht unbedingt kleiner, da die heutzutage noch aus produktionstechnischer etwas rückständigen Standorte aufholen werden.

Angesichts strengerer Regelauslegung zugunsten von Umwelt und Klima werden Flächenausweitungen eher ein Geschäftsmodell der Vergangenheit sein und Formen der solidarischen Landwirtschaft eher der Regelfall werden. Gleichzeitig könnte es aus einer ganz anderen Ecke zu einem Nachfrageschub kommen:

Wenn Prävention immer wichtiger wird und die Gesundheits-Apps Burger verbieten, steigt zwangsläufig der Obst- und Gemüseverbrauch. Ähnlich wie schon beim CO2-Fußabdruck wird das True Cost Accounting bei Nahrungsmitteln gang und gäbe. Block Chain-Technologie sorgt für Transparenz; Zucker, Alkohol und all die anderen schönen Dinge werden schlimmer besteuert als Zigaretten heutzutage.

Mit diesem Geld wird ein Gesundheitsfonds eingerichtet, der dann wiederum die Folgen des übermäßigen Konsums allem Ungesundens kostenmäßig auffängt. Big Data sorgt für individualisierte Diätpläne und eine Vielzahl strategischer und organisatorischer Allianzen sorgt dafür, dass die Unterschiede zwischen Eigentümer, Stakeholder, Produzent und Konsument verschwimmen, genauso wie die zwischen Gartenbau, Tierhaltung und Ackerbau, der Anzucht von Algen, Pilzen und Insekten.

Technologischer Fortschritt sorgt für die Wiedergewinnung von Nährstoffen, Durchbrüche in der Gentechnik optimieren die Fotosynthese. Bodengebundene Produktionsverfahren gibt es kaum noch und dann haben wir es ja noch gar nicht darüber gehabt, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz in Kombination mit Robotik und Prozessautomatisierung auf unser Leben in 25 Jahren haben könnten.

Tim Jacobsen

In eigener Sache

In der Zeitschriftenbranche gehört es zum guten Ton, keine Zweifel am fast schon zwangsläufigen eigenen Untergang aufkommen zu lassen. Geradezu masochistisch wird im Kollegenkreis der Rückgang von Abonnementzahlen diskutiert. Zwar dauerte es etwas von der Erfindung des Buchdrucks bis zum erstmaligen Erscheinen eines deutschsprachigen Periodikums – gäbe es sie heute noch, könnte die Rorschacher Monatsschrift aber auf eine 427-jährige Geschichte zurückblicken. Und während wir 1597 von der Erfindung des Automobils noch weit entfernt waren und auch niemand weiß, wie Mobilität in 50 Jahren aussehen wird, hat sich am Wesen von Zeitschriften im Laufe der Jahrhunderte nur unwesentlich etwas geändert. Zeitschriften entstehen in einem oft mühsamen und zuweilen auch langwierigen Prozess. Dies gilt oftmals auch für das Lesen, bei dem man sich auf das Geschriebene einlassen muss. Aber nur so lässt sich die Komplexität unserer Welt zumindest ein Stück weit abbilden, können Geschichten erzählt und Wissen transferiert werden. In diesem Sinne viel Freude mit jeder der 34 Zeitschriften, die jeder Deutsche über sechs Jahre alt im Schnitt jährlich erwirbt!

Tim Jacobsen

Die Preise gehen rauf und selten runter

Die große Inflationswelle ist vorbei. Im August blieb die Teuerungsrate mit 1,9 % erstmals seit mehr als drei Jahren wieder unter dem Zielwert von 2 %. Vor allem Energie ist billiger als vor einem Jahr. Im August waren das stattliche 5,1 %. Preistreiber sind aktuell Dienstleistungen, die um 3,9 % teurer waren. Hier wirken sich die hohen Lohn- und Gehaltssteigerungen der vergangenen Monate aus. Nahrungsmittel wurden im Jahresvergleich nur noch um 1,5 % teurer.

Wie hoch das Preisniveau für Nahrungsmittel allerdings ist, zeigt ein Vergleich der Preise über den gesamten Zeitraum der jüngsten Inflationswelle: Heute sind Nahrungsmittel laut Statistischen Bundesamt im Durchschnitt um mehr als 32 % teuer als vor vier Jahren. Für eine Flasche Olivenöl mussten Verbraucher im Juli mehr als doppelt so viel zahlen wie vor vier Jahren. Zucker ist fast doppelt deutlich teurer als 2020.

Wegen steigender Preise für Zucker, aber auch anderen wichtigen Zutaten wie Mehl und Fette, sind auch Kekse erheblich teurer geworden, genauso wie Milch und Milchprodukte, Ketchup, Gemüsekonserven und Sonnenblumenöl mit Aufschlägen zwischen 63 % bei den Konserven und 112 % beim Olivenöl.

Nur ein Lebensmittel ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes heute mit 2 % etwas billiger als damals: Zitrusfrüchte. Die geringsten Anstiege verzeichneten Birnen (0,8 %) und Äpfel (7,4 %). Bei den Äpfeln trafen 2021 und 2022 gute Ernten auf eine eher geringe Nachfrage, eine Preisumkehr scheint wahrscheinlich.

Für Verbraucher weniger schlimm sieht der Jahrespreisvergleich aus. Für einige Lebensmittel mussten Verbraucher im Juli nicht mehr so tief in die Tasche greifen wie noch zwölf Monate zuvor.

Die größten Preisrückgänge gab es bei Möhren (13,8 %), Zwiebeln und Knoblauch (13,7 %), tiefgefrorenem Obst (13,1 %), einmal mehr den Zitrusfrüchten (9,3 %), Sonnenblumenöl und Rapsöl (8,6 %) sowie Weizenmehl (8,3 %). Dabei nicht vergessen werden darf: Von den Zitrusfrüchten einmal abgesehen sind alle genannten Produkte immer noch teurer als im Jahr 2020, teilweise sogar deutlich.

Die Verbraucherzentrale forderte Ende August angesichts dessen, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland seit dem Jahr 2021 insgesamt um rund 33 % gestiegen, während die Gesamtinflationsrate im gleichen Zeitraum bei 20 % liegt, einmal mehr die Einrichtung von Preisbeobachtungsstellen.

Diese sollen ihre Befunde jährlich dem Bundestag melden, damit der Gesetzgeber „gegebenenfalls politische Maßnahmen“ ableiten könne. Aber was könnten das für Maßnahmen sein? Vermutlich ist an Preiskontrollen und staatlich festgesetzte Preise gedacht.

Die Idee der Preisbeobachtung hat dabei mindestens zwei Haken. Da ist zunächst die Hoffnung, Informationsasymmetrien könnten durch Transparenzoffensiven eingeebnet werden. Aber was hat der Verbraucher davon, wenn die Kosten der Wertschöpfungskette für alle transparent gemacht werden?

Soll er daraus schließen, dass die Zwiebeln und Möhren möglicherweise ihr Geld nicht wert sind? Oder erleichtert die Transparenz womöglich nur den anderen Supermarktformaten die Suche nach noch billigeren Lieferanten? Und dann ist da ja noch die Sache mit dem „gerechten“ Preis. Hört sich gut an, aber wer bestimmt „was eine Sache wert ist“?

Und wenn es dann keinen objektiv gerechten Preis gibt, dann bleibt nur der Umkehrschluss: Ob ein Preis gerecht ist, bemisst sich daran, was Möhren, Zwiebeln und alles andere den Menschen subjektiv wert ist. Das wiederum heißt, dass Preise sich nicht mit den Herstellungskosten begründen lassen, sondern mit der Wertschätzung der Kunden.

Für sie und den Anbieter ist lediglich ihre subjektive Zahlungsbereitschaft von Relevanz. Daran muss der Händler dann seine Kosten ausrichten. Dass es dabei mit rechten Dingen zugeht, dafür sorgt seit der Währungsreform und dem Ende der Zwangswirtschaft in der für unser Deutschland typischen Sozialen Marktwirtschaft der Wettbewerb – notfalls im Zusammenspiel mit den Kartellbehörden.

Eines darf bei der ganzen Diskussion aber auch nicht übersehen werden: Zwar gibt es bei uns – anders als in der Deutschen Demokratischen Republik – zwar kein staatliches Amt für Preise; was im Vereinigten Königreich bei Tesco, Sainsbury’s, Asda und Morrisons unter „Aldi Price Match“ läuft, also dem Bewerben von Produkten damit, dass sie zum gleichen Preis wie bei Aldi zu haben sind, gibt es, wenn auch nicht ganz so explizit, auch bei uns.

Und das führt dann dazu, dass Preiseinstiegsartikel im gesamten LEH auf wundersame Weise ähnlich bepreist sind wie beim marktführenden Discounter.

Tim Jacobsen

Die lieben Kolleginnen und Kollegen

Die Kollegen der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit rekapitulieren auf ihrer Titelseite nicht nur in großen Lettern und großem Bild die für die zurückliegende Woche wichtigsten Entwicklungen, sie rücken in der Spalte rechts unter der Rubrik „prominent ignoriert“ jeweils auch eine Schlagzeile ins Rampenlicht, die sonst untergehen würde, was letztendlich aus dem „prominent ignoriert“ eher ein „prominent platziert“ macht. Über medialen Ruhm zumindest im deutschsprachigen Bildungsbürgertum konnten sich in Ausgabe 37 vom 29. August 2024 nun drei Zwiebeldiebe freuen, die im niedersächsischen Steddorf mit ihrer Beute unter Zurücklassung eines Komplizens zwar zunächst entkommen konnten, zu guter Letzt dann aber doch allesamt von unseren Ordnungshütern gestellt und Fluchtauto sowie Beute beschlagnahmt wurden. Nicht zu Unrecht kommentieren die Kollegen, dass die drei mit Feldarbeit zum Mindestlohn ebenfalls unter überschaubarem Aufwand die 50 €, die dem Polizeibericht nach dem Wert der gestohlenen Zwiebeln entsprach, verdienen hätten können, übersehen dabei aber geflissentlich, dass zwischen Erzeuger- und Konsumentenpreisen doch eine mitunter relativ eklatante Lücke klafft. Da kann dann aus einer Stunde Feldarbeit schnell ein ganzer Tag werden.

Tim Jacobsen

Wir gratulieren!

Zu Zeiten, in denen es Fernsehen nur in der linearen Form gab, war „Unser Land“ zumindest im gärtnerisch-landwirtschaftlich geprägten Oberbayern zur festen Sendezeit freitags um 19:00 eine Art Straßenfeger. Wahrscheinlich war es weniger Wissbegierde, sondern vielmehr pure Neugierde, wer denn in der aktuellen Folge wohl an bekannten Gesichtern auf der Mattscheibe zu sehen sein wird, die die Menschen zum Einschalten bewog. Am 24.10. 1964, also vor ziemlich genau sechzig Jahren, ging das Format erstmals auf Sendung, gewissermaßen als Geburtstagsgeschenk hat die aus dem „Landfunk“ hervorgegangene Redaktion nun einen sehr sehenswerten Dreiteiler in der ARD- und BR-Mediathek zur Verfügung gestellt, der am Beispiel von drei Familien 100 Jahre Landwirtschaftsgeschichte nachvollzieht und wohl niemanden unberührt lässt.

Tim Jacobsen

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